Wenn zwei Welten aufeinandertreffen
Markus Mallaun hat mich als erste Gästin in seinen neuen Podcast ImageAI eingeladen – ein Gespräch über die Schnittstelle zwischen klassischer Fotografie und KI-Bildgenerierung. Was als lockerer Austausch begann, entwickelte sich zu einer tiefgehenden Diskussion über die Transformation unserer Branche.
Die zentrale Frage: Wie verändert künstliche Intelligenz die Art, wie wir Bilder für die Unternehmenskommunikation erstellen und einsetzen?
Die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Gespräch
1. Fotografie und KI ergänzen sich – sie ersetzen sich nicht
Meine klare Position: Echte Menschen müssen echt fotografiert werden.
Das gilt besonders für:
- Mitarbeiterportraits – Employer Branding funktioniert nur mit authentischen Gesichtern
- Events – Was wirklich stattfindet, soll real dokumentiert werden
- Personal Branding – Vertrauen entsteht durch echte Präsenz
Aber für illustrative Zwecke, Konzeptvisualisierungen oder Situationen, die schwer zu fotografieren sind? Da spielt KI ihre Stärken aus.
2. Das Schweizer Stockbild-Problem
Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis: Ein Unternehmen suchte Bilder für ihre Website – Szenen aus Schweizer Altersheimen, Jugendheimen, typisch schweizerische Alltagssituationen.
Das Problem: Stockbildagenturen liefern hauptsächlich amerikanische oder internationale Motive. Man sieht sofort: Das Wohnzimmer-Design ist amerikanisch, die Strassenschilder passen nicht, die gesamte Ästhetik ist nicht heimisch.
Die Lösung: KI-generierte Bilder, die genau die lokale Atmosphäre einfangen – ohne Persönlichkeitsrechtsprobleme, perfekt auf die Schweizer Zielgruppe zugeschnitten.
3. Der Moment, wo mir Welten aufgingen
Als ich meine ersten Midjourney-Kurse besuchte, hatte ich einen entscheidenden Aha-Moment:
Du kannst an Knöpfen drehen. Ich dachte zuerst immer, ah, es ist der Prompt. Aber es ist dann der Prompt und on top kommen ganz viele Parameter und Gewichte und Einstellungen und Zusatztricks. Es ist alles nicht wahnsinnig kompliziert, aber du musst es halt wissen.
Das ist der Unterschied zwischen «mal ausprobieren» und professionellem Einsatz. Es gibt z.B.:
- Sref Codes für konsistente Bildstile
- Gewichte und Parameter für präzise Steuerung
- Stilreferenzen, Profile und Moodboards für Markenkonsistenz
4. Transparenz ist kein Nice-to-have
Wenn Unternehmen KI-Bilder einsetzen, kommt immer die Frage: «Müssen wir das kennzeichnen?»
Meine Antwort: Aus Transparenzgründen ist es sicher immer eine gute Idee. Die Unternehmen wollen ja nicht die Kunden hinters Licht führen. Man versucht einfach, ein passendes Bild zu finden.
Die rote Linie: Niemals KI-Bilder für journalistische Zwecke oder zur Dokumentation realer Ereignisse. Der Fall von Amnesty International, die KI-generierte Bilder für einen Bericht über Polizeigewalt in Venezuela verwendeten, ist ein absolutes No-Go.
5. KI ist die Chance der Kleinen
Grosse Konzerne wie Coca-Cola sparen mit KI-generierten Weihnachtsfilmen – und bekommen dafür Shitstorms. Kleine Unternehmen dagegen können plötzlich hochwertige visuelle Kommunikation umsetzen, die früher nur mit grossen Budgets möglich war.
Die Ironie: Coca-Cola hat das Geld für klassische Produktionen. Wenn ein Zwei-Personen-Unternehmen KI nutzt, ist das legitim – sie hatten nie das Budget für die grosse Produktion.
6. Die Zukunft wird intuitiver
Der Trend geht weg vom «Tool-Experten» hin zu natürlicheren Interfaces. Man wird einfach mit KI sprechen können wie mit ChatGPT und zu seinem Resultat kommen.
Aber: Das kreative Auge bleibt entscheidend. Design-Verständnis, Kompositionsgefühl, Markenkonsistenz – das sind Skills, die bleiben.
Meine 3 wichtigsten Tipps für den Einstieg
1. Cool bleiben und starten
Die Tools entwickeln sich rasant weiter. Lass dich nicht verwirren – such dir ein Tool aus (ich empfehle Midjourney) und fang an.
2. Von den Besten lernen
Nutze die Explorer Page in Midjourney: Schau dir die Top-Bilder an, klick rein, sieh dir die Prompts an. Das ist die schnellste Lernkurve.
3. Web statt Discord
Für Anfänger: Nutze die Midjourney-Webversion. Discord braucht es nicht mehr – die Weboberfläche ist intuitiv und visuell.
Was ich aus 3 Jahren intensiver KI-Arbeit gelernt habe
Seit 2023 experimentiere ich mit KI-Bildgenerierung: zuerst aus Neugier, heute als professionelle Dienstleistung für Unternehmen. Die grösste Erkenntnis?
KI-Bildgenerierung ersetzt nicht die Fotografie. Sie erweitert die Möglichkeiten.
Heute kann ich:
- Konzepte visualisieren, bevor sie real umgesetzt werden
- Für Kunden unmögliche oder zu teure Szenarien erstellen
- Lokalisierte Bildwelten schaffen, die es bei Stockagenturen nicht gibt
- Schneller iterieren und Bildideen testen
Aber für authentische Mitarbeiterportraits, echte Events oder Personal Branding? Da kommt nichts an echte Fotografie heran.
Das komplette Gespräch
Willst du tiefer eintauchen? Das komplette Gespräch mit Markus Mallaun gibt es hier:
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Wir sprechen über:
- Wann KI-Bilder ethisch problematisch werden
- Warum Fotografen die besten KI-Experten werden können
- Konkrete Tricks für bessere Prompts
- Die Zukunft von Bildagenturen
- Und vieles mehr
Du willst lernen, wie du KI-Bilder professionell für dein Marketing einsetzt?
In meinen Midjourney-Trainings für Unternehmen zeige ich, wie Marketing- und Design-Teams KI-Bildgenerierung strategisch und effektvoll einsetzen können.
Monika Liechti ist KI-Expertin, Fotografin und Marketing-Strategin. Sie trainiert Unternehmen in der professionellen Nutzung von KI-Bildgeneratoren wie Midjourney und verbindet dabei über 24 Jahre Marketing-Erfahrung mit praktischem Know-how in Fotografie und AI.
